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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

23. Juli bis 4. Oktober 2009
Gerwald Rockenschaub. Promise vs. Reality

2007 wurde Gerwald Rockenschaub eingeladen, für die documenta 12 eine »Vermittlungsinsel« zu gestalten. Rockenschaubs Entwurf konnte direkter und konsequenter kaum sein: er platzierte eine Skulptur in grün und orange in den Aue-Pavillon, »eine Bilderbuchschule mit unverrückbaren Sitzbänken und einer Schultafel« , deren Spezifikum darin liegt, »den Blick der Verweilenden nicht auf das Kunstobjekt selbst, sondern auf dessen Umgebung zu lenken und so [über die Vermittlung von Inhalten hinaus] eine Abstraktion zu vermitteln.« Gerwald Rockenschaub, geboren 1952 in Linz, zeigt im Museum Villa Stuck ab 23. Juli 2009 eine speziell für das Ateliergebäude entstandene Installation. Gerwald Rockenschaub lebt und arbeitet in Berlin. Zu seinen wichtigsten Ausstellungen zählen: 45. Biennale Venedig, Österreichischer Pavillon (1993), Secession Wien (1994), MUMOK Wien (2004), Documenta 12 (2007), Kunsthalle Bern (2008) sowie die Fassadengestaltung der temporären Kunsthalle Berlin (2008).

Rockenschaubs Anfänge liegen in der sogenannten Neo-Geo Malerei, ab 1982/83 entstehen kleinformatige Gemälde in Öl auf Leinwand, die vereinfachte geometrische Strukturen vorweisen. Von 1987 an rückt farbiges und transparentes Acrylglas stärker in den Vordergrund. Eine Ausstellung in der Kölner Galerie Paul Maenz bedeutet 1987 den Wendepunkt in Rockenschaubs Werk hin zu raumbezogenen Installationen, die bis heute im Zentrum seines Schaffens stehen. Seit Beginn der 1990er Jahre zeigt Gerwald Rockenschaub in seinen Ausstellungen großformatige, Raum füllende Installationen, auf der Basis eines Bezugssystems zwischen Kunstgeschichte, Popkultur und Architektur. Dabei setzt er einen speziellen Fokus auf räumliche und perzeptive Wechselbeziehungen; die Interaktion des Besuchers ist wesentlich für die räumlich-ästhetische Erfahrung. Farbfolienbilder (ab 1997) und seit 2001 auch Animationen sind eigenständige Werke, stets jedoch auch Teil der gesamten Raumsituation.

Gerwald Rockenschaub entscheidet sich aufgrund der gegebenen Raumsituation für ein Ausstellungskonzept: »Grundsätzlich kann ich sagen: Egal, ob das Bilder oder installative Eingriffe sind – ich orientiere mich da zweckmäßig und projektbezogen. Ich entwickle Ausstellungskonzepte. Ich arbeite nicht unabhängig von irgendwelchen Projekten im stillen Kämmerlein oder im Atelier, sondern ich arbeite immer an konkreten Projekten und dem entsprechend konzipiere ich dann eben bestimmte Objekte, Installationen oder Folienbilder.« Seine raumgreifenden Objekte haben eine skulpturale Erscheinung, die durch eine gezielte Farbgebung unterstrichen wird.

In das ehemalige Bildhaueratelier stellt Rockenschaub verschieden farbige Objekte, die durch ihre einfachen geometrischen Grundformen an die »primary structures« der »Minimal Art« erinnern. Rockenschaub greift mit diesen Objekten in die Raumstruktur ein und schafft so einerseits Blockaden von Wegen und Sichtachsen, andererseits legt er die Struktur des Gebäudes auf eindringliche Weise offen. Das ehemalige Malatelier Stucks im Obergeschoss bespielt Rockenschaub mit einem Deckengemälde. Er nutzt nicht die Wandflächen, um einzelne Werke zu präsentieren, sondern nimmt die Kuppel und deren Kassettierung als Bildträger wahr, indem er sie mit einer monochromen Wand- und Deckenmalerei bis unter das Oberlicht versieht, jäh unterbrochen durch farbige Akzentuierungen am historischen Flächenornament des Raumes.

Das 1914/15 von Franz von Stuck erbaute Bildhauer- und Malatelier bildet eine ideale Umgebung für Rockenschaub, dessen Werke zwischen Bild und Raum, zwischen Malerei und Installation oszillieren. Stuck konzipierte sein Ateliergebäude 16 Jahre nach Fertigstellung seines Wohnhauses. Im Erdgeschoss befand sich sein Bildhaueratelier, im Obergeschoss sein neues Maleratelier. Das Ateliergebäude spielte als Ausstellungsraum nach 1945 eine wesentliche Rolle in der Münchner Kultur. Neben den bedeutenden Galerien von Günther Franke und Otto van de Loo befanden sich weitere Galerien in der Villa Stuck, die damit zum Ort für einen intensiven und wegweisenden Austausch über Moderne und Gegenwartskunst wurde. Seit 1992 ist das Ateliergebäude Ausstellungsraum des neu gegründeten Museums Villa Stuck, in dem ambitionierte interdisziplinäre Ausstellungen gezeigt werden.