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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

29. Juni – 1. Oktober 2017

Abbas Akhavan

Abbas Akhavan zählt zu den aufstrebenden Künstlern in Kanada und zu einer Generation Kunst schaffender, die sich in ihren ortsspezifischen, oft ephemeren Arbeiten auf gesellschaftliche Themen fokussiert. Im Museum Villa Stuck zeigt der 1977 in Teheran geborene Akhavan seine erste große Einzelausstellung, die ältere Arbeiten mit speziell für die Ausstellung entstandenen verbindet. Der Künstler beschäftigt sich in diesen meist installativen Werken mit Themenfeldern, die um Zerstörung und Ausgrenzung, aber auch um den Akt des Bewahrens und der Wiederherstellung kreisen.

Die Besucherinnen und Besucher betreten das Ateliergebäude, das Franz von Stuck 1914/15 erbaut hat, und sind sofort mit einer Barriere konfrontiert. Untitled Garden (2012/2017), eine Hecke aus Thuja occidentalis brabant, zwingt zu einem Umweg. Die Hecke, wie sie im Stadtbild oder im Vorort als Markierung von privatem oder öffentlichem Raum eingesetzt wird, erschwert den Zutritt, sie grenzt aus. Die Thuja, der immergrüne Lebensbaum, hat eine eigene Geschichte des Kolonialismus: Heimisch im östlichen Teil Kanadas war sie Handelsware zwischen Großbritannien und seiner Kolonie Kanada; sie wurde schon im 16. Jahrhundert verwendet, um privates Eigentum zu kennzeichnen. Der vielschichtige Einsatz der Pflanze beschreibt Akhavans künstlerische Geste: aus dem häuslichen Umfeld bekannte Objekte versetzt er in den Ausstellungsraum, dadurch verschieben sich die Bereiche von Innen und Außen. Die serielle Reihe der Pflanzen verwendet der Künstler, um historische Strategien zur Auszeichnung privaten Eigentums mit der Partizipation des Betrachters zu verbinden; dieser fühlt sich womöglich als Eindringling.

Für seine Ausstellung lässt Akhavan die Spuren der vorangegangenen Ausstellung sichtbar werden: Die Wände sind nicht perfekt und unrenoviert, er schaltet die Klimaanlage ab, zugebaute Fenster werden geöffnet, Frischluft und Licht von Außen zirkulieren in den eigentlich hermetisch abgeschlossenen Räumen. Akhavan fragt dadurch nach den Grenzen der musealen Aufgaben: Sind die gängigen Methoden des Bewahrens noch einzuhalten und sind diese zeitgemäß?

Seine Werke bezeichnet Akhavan meist als Studien (studies) oder als Variationen (variations), sie sind konzeptuell angelegt und zeigen an, dass sie Teil eines kreativen Prozesses sind, der noch nicht abgeschlossen ist. Diese Überlegungen visualisiert der Künstler in Objekten, die sich auf Natur und die vier Elemente beziehen: Feuer, Wasser, Erde oder Luft, Pflanzen oder Tiere werden zu elementaren Gestaltungsein heiten.

Dem Publikum der Villa Stuck ist Akhavan durch seine Teilnahme an der Ausstellung Common Grounds im Jahr 2015 bekannt. Er zeigte damals Study for a Hanging Garden (2013), eine raumfüllende Installation mit Bronzeabgüssen von Pflanzen, die nur zwischen Euphrat und Tigris wachsen und durch den Irakkrieg sowie die derzeit stattfindenden Kriegshandlungen des IS vom Aussterben bedroht sind.

Akhavans Arbeiten umfassen Skulptur, Installation, Zeichnung, Video sowie Performance. Aufgrund von Aufenthalten in verschiedenen Stipendienprogrammen und ohne Ateliertätigkeit und der damit verbun denen konstanten Produktion von Werken rückt der Anlass, die Ausstellung selbst, ins Zentrum seiner Kunstproduktion. Akhavan (geb. 1977 in Teheran, lebt und arbeitet in Toronto) ist in zahlreichen Ausstellungen vertreten, darunter Einzelausstellungen in The Delfina Foundation, London (2012); Mercer Union, Toronto (2015); FLORA, Bogota (2016) sowie SALT Galata, Istanbul (2017).

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