Start > Ausstellungen > Efrat Natan / Nahum Tevet

Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

26. Oktober 2017 – 28. Januar 2018

Efrat Natan / Nahum Tevet

Das Museum Villa Stuck zeigt als erste Institution die Künstler Efrat Natan und Nahum Tevet in einer Gegenüberstellung. Beide begannen ihre Karriere in den 1970er Jahren und sind heute wichtige Figuren in der Kunstlandschaft Israels. Sie verbindet eine lange künstlerische Freundschaft. In differenzierten Werken vereinen sie Ansätze der Konzeptkunst mit einer neuen, einfachen Materialästhetik. Während Efrat Natan ihre feministische Haltung zu einer poetischen Formensprache verdichtet, entwickelt Nahum Tevet monumentale Rauminstallationen, die Erfahrungen von Raum, Begrenzung, Farbe und Form untersuchen. In der Ausstellung werden Frühwerke und Dokumente von gemeinsamen frühen Aktionen zusammen mit späteren Werken präsentiert.

Efrat Natan (geb. 1947, lebt in Tel Aviv) setzt sich in ihrem gesamten Schaffen mit ihrer Kindheit im Kibbuz auseinander. Das Aufwachsen in der Gemeinschaft, in der kollektives Eigentum und Gleichheit vermittelt und gelebt werden, übersetzt Natan in verdichtete Zeichen, die Erfahrungen und Werte symbolisieren. Sie eignet sich Materialien oft durch eine starke Körperlichkeit an; sie dreht, reißt und zerrt an Stoffen bis sie unkenntlich werden. Ihre Werke zeichnet eine elementare,
fast archetypische Formensprache aus, die eine poetisch-konzeptuelle und emotionale Qualität besitzt.

Das Verhältnis vom Objekt zum Raum ist Gegenstand zahlreicher Werke von Nahum Tevet (geb. 1946, lebt in Tel Aviv). Seine Installationen stehen in der Tradition der Konzeptkunst und der Minimal Art. Tevet verwendet einfache, alltägliche Materialien wie Sperrholz oder Klebestreifen, um die Grenze zwischen Kunst und realem Leben zu hinterfragen. In den 1970er Jahren setzte er dieses Anliegen in seinen Works on Glass (1972–1975) um. Das Glas des Rahmens, welches
das Kunstobjekt schützen soll, wird zum Objekt der Betrachtung transformiert – eine radikale Geste, die den Einfluss von Marcel Duchamps und Robert Rauschenberg belegt. Seine Rauminstallationen eröffnen verschiedene Wahrnehmungs- und Begehungsmöglichkeiten, etwa im Hauptwerk Seven Walks (1997–2010). Farbe und Form verbinden sich zu einem Ensemble, zu skulpturalen Installationen, die durch den Betrachter aktiviert werden und dadurch die Position des Betrachters im Raum auch im übertragenen Sinn hinterfragen.

So unterschiedlich die ästhetische Erscheinung der Werke der beiden Künstler ist, findet man eine formelle Übereinstimmung, da Natan wie Tevet Elemente und Materialien des Alltagslebens einbeziehen. Natans persönliche Mythologien und Tevets Untersuchungen vom Verhältnis des Individuums zum Raum öffnen die Auseinandersetzung hin zu Fragen nach gesellschaftlichen Werten.

Die Ausstellung wird von einem Katalog begleitet, der u.a. Essays von Aya Miron, Kuratorin des Israel Museum of Art, Jerusalem, und Nicola Trezzi, Professor an der Bezalel Academy of Art, sowie ein Gespräch von Verena Hein mit Efrat Natan und Nahum Tevet beinhalten wird.

Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck. Kuratorin: Dr. Verena Hein