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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

7. Oktober 2017 – 14. Januar 2018

RICOCHET #11
Hisako Inoue. Die Bibliothek der Gerüche

Im Rahmen der Reihe RICOCHET präsentiert das Museum Villa Stuck von Oktober 2017 bis Januar 2018 die japanische Künstlerin Hisako Inoue (geb. 1974). In der Ausstellung »The Library of Smells« machen raumgreifende Installationen die Beziehung zwischen Buch und Mensch anhand des Geruchs erfahrbar. Inoue zieht Parallelen zwischen dem Verlauf eines menschlichen Lebens und den Stationen einer Buchnutzung. Die im Vorfeld in Antiquariaten und privaten Bücherregalen ausgewählten Bücher und deren Gerüche nutzt sie als Kommunikationswerkzeug und thematisiert – besonders in ihren Workshops, die einen konstituierenden Teil der Ausstellung ausmachen – Gedanken, Gefühle und Erinnerungen, die Gerüche hervorrufen.

In Japan herrscht eine traditionsreiche Geruchskultur, die weit zurückreicht. Davon zeugen nicht nur die Wertschätzung vielfältiger Aromen in der japanischen Küche, sondern auch Zeremonien, die rituelle mit olfaktorischen Elementen verbinden, wie die Tee-, die Blumen- und die Weihrauchzeremonie. Seit den 1980er Jahren lässt sich allerdings eine dezidierte Abwendung von Alltagsgerüchen feststellen. Kosmetische oder pharmazeutische Unternehmen entwickeln fortlaufend neue Duftstoffe, die in Form von Sprays, Zerstäubern oder parfümierten Waschmitteln gegen verschiedene Alltagsgerüche ankämpfen. Die ästhetische Bewertung von Gerüchen und die Wahl desodorierender Geruchspraktiken ändert die Wahrnehmung von Alltagsgerüchen grundlegend und stellt eine symbolische Grenzziehung zwischen sozialen Milieus dar.

Wahrnehmung, Interpretation, ästhetische Wertschätzung oder Zurückweisung und damit die Vermeidung und ervorbringung von Gerüchen sind abhängig von der Ausübung eines bestimmten Lebensstils. Die Geruchsbekämpfung in privaten wie öffentlichen Räumen und bei der Körperpflege ist in Japan besonders stark ausgeprägt. Neben Luftreinigern in Kinos werden
in etwa der Hälfte aller japanischen Bibliotheken Buchreinigungsmaschinen eingesetzt, die die Bücher nicht nur reinigen und desinfizieren, sondern auch desodorieren. Hisako Inoue, die in Japan schon zahlreiche Ausstellungen mit Geruchsinstallationen realisiert hat, stellt dieser immer weiter voranschreitenden Desodorierung weiter Lebenssphären den authentischen Geruch des Alltagsgegenstandes Buch gegenüber, als differenzierte Ausprägung eines »gelebten Lebens«,
und plädiert so für eine Sensibilisierung für einen bewussten Umgang mit Gerüchen.

In der Ausstellung lädt Hisako Inoue die BesucherInnen der Ausstellung ein, sich an »interaktiven Stationen« anhand der präsentierten Bücher an olfaktorischen Interaktionen zu beteiligen. Gerüche werden im limbischen System aufgenommen, dem Teil des Gehirns, der mit den Geruchsnerven verbunden ist und als Speicher von Erinnerungen und Gefühlen dient. Die
Aktivierung des emotionalen Gedächtnisses durch Gerüche und die Kommunikation darüber sieht Hisako Inoue als wesentlichen Bestandteil der Ausstellung.

Ein Katalog begleitet die Ausstellung.
Eine Ausstellung des Museums Villa Stuck, München. Kuratorin: Anne Marr