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Altes Atelier

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Wie ein Festsaal ausgestattet, war das Alte Atelier Stucks zunächst Künstleratelier und gewann zunehmend als repräsentativer Verkaufs- und Ausstellungsraum sowie Bankettsaal an Bedeutung. Das Atelier wurde von Stuck immer wieder umgestaltet und durchlief verschiedenste Ausstattungsphasen. Seine Lage im Zentrum des Hauses mit Blick auf Balkon und Prinzregentenstraße signalisierten seine Bedeutung als »Heiligtum des Hauses« von »tempelhafter Feierlichkeit«.

Hier fanden u.a. das Diner zum 50. Geburtstag Stucks und die alljährlichen Einladungen des Malers für Gesandte und Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Adel statt.

Der von Stuck gemalte Fries, unter dem sich ein früheres Spiralornament verbirgt, greift das Wappentier des Malers, den Kentaur mit geballten Fäusten, sowie Motive und Themen der Wildheit und Triebhaftigkeit dieser Mischwesen aus seinen frühen Gemälden auf. Das breite Atelierfenster mit Balkontür spendet reiches Nordlicht in den vorderen Teil des Raumes, wo Stuck an der Staffelei arbeitete, während die Gemälde und Plastiken auf Staffeleien und Präsentationsmöbeln in der Tiefe des Saales malerische Dämmerung umhüllt.

Franz von Stucks Atelier ist eine Weihestätte der Kunst. Der Künstler inszenierte dort einen »altarähnlichen Aufbau«, der in der Tradition europäischer Künstleraltäre des 19. Jahrhunderts steht. Stuck stellte in einer früheren Version des Altars in seinem Atelier in der Theresienstraße das Leukothea-Relief, in seiner Wohnung in der Schellingstraße die Bildnisstatue der Pallas Athene (heute in der Ecknische des Musiksalons), und nach dem Umzug in seine Villa das griechische Orpheusrelief ins Zentrum seines Arrangements. In der letzten monumentalen Fassung, dem sogenannten Altar der Sünde nimmt Stucks eigenes Werk, nämlich das Skandalbild Die Sünde die Stellung des Altarblattes ein. In den drei darunter gelegenen Goldmosaiknischen, anstelle einer Predella, stehen Stucks Bronze die Tänzerin mit den Gesichtszügen seiner Ehefrau Mary und der Athlet als Selbstporträt Stucks. Die Mitte bildete ein römischer Knabenkopf des 1. Jhdt. n. Chr. aus Marmor. Der Altar ist damit vornehmlich der Kunst und dem Eros gewidmet.

Auf dem Altar der Sünde befinden sich heute neue Abgüsse des Kriegerkopfes und Sphinxkopfes (beide vom Ostgiebel des Aphaiatempels in Ägina, Glyptothek München) aus den Staatlichen Antikensammlungen, München. Die Brüsseler Tapisserien wurden wegen ihres sehr empfindlichen Zustands durch Reproduktionen ersetzt, die Originale befinden sich im Besitz des Museums Villa Stuck.