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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

19. Mai – 22. November 2020

Beate Passow. Monkey Business

Die Künstlerin Beate Passow (geboren 1945 in Stadtoldendorf) arbeitet gegen das Vergessen, - so beschreibt es Dr. Helmut Friedel in seinem gleichnamigen Text über das umfangreiche künstlerische Œuvre Passows. Mit ihren Bildfindungen legt sie – so Friedel – den Finger an die Wunden der Erinnerung. Allerdings nicht, wie es der ungläubige Thomas tun musste, um Erkenntnis zu erhalten, sondern um sichtbare und überprüfbare Gegebenheiten aufzudecken und zu verdeutlichen. Dabei dient ihr die Fotografie als geeignetes Ausdrucksmittel, als Dokumentation ihrer langen Reisen und Erkundungen, die vor den anschließenden Verbildlichungen dieser Eindrücke stehen.

In ihrem Bilderzyklus MONKEY BUSINESS entwirft Passow eine rätselhafte Fabelwelt mit politischer Dimension. Eigenartige Tiere und mythische Figuren bevölkern die großformatigen, in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder, die sich erst bei näherer Betrachtung als gewebte Tapisserien entpuppen. Die ungewöhnlichen Protagonisten bewegen sich durch leicht zu identifizierende Orte, die auch als Namensgeber der einzelnen Arbeiten fungieren: Gibraltar, die New Yorker Wall Street, Brüssel, Knossos oder die Insel Lampedusa. Hinter diesen geografischen Zuordnungen verbergen sich die politischen Abgründe des gegenwärtigen Europa, dessen herrschende Systeme, ökonomische Strukturen und politische Bewegungen von Passow in MONKEY BUSINESS zur Debatte gestellt werden.

Beate Passow. Monkey Business, Museum Villa Stuck 2020, Fotos: Jann Averwerser

Gleich zwei Arbeiten widmet Passow der systematischen Grenzbewachung Europas vor Einwanderung aus Afrika, dem Mittleren und Nahen Osten. Die Arbeit GIBRALATR zeigt einen Berberaffen auf einem ausrangierten Kanonenrohr. Als Wächter Europas thront das Tier weit oberhalb der Stadt an der Südspitze der iberischen Halbinsel und blickt auf die Grenze zwischen dem Festland des europäischen Kontinents und der an dieser Stelle nur wenige Kilometer entfernten Küste Afrikas. Während man sich bei GIBRALTAR noch in einer – wenn auch trügerischen – Idylle zu bewegen scheint, zeigt sich im Werk LAMPEDUSA das verheerende Ergebnis der europäischen Flüchtlingspolitik. Zwar erspart Passow den Betrachter*innen den konkreten Anblick Ertrunkener, doch erweckt die Ansammlung zertrümmerter Bootsteile den Eindruck eines Friedhofs und das durch diesen Friedhof schreitende Skelett eines Kentaurs erscheint als die Verkörperung des Todes selbst. Die Arbeit WALL STREET thematisiert hingegen den Kapitalismus als schicksalsvolle Macht der Moderne und transkontinentales Phänomen. Das Werk KNOSSOS verweist auf den mythologischen Ursprung Europas auf der Insel Kreta.
Der zunächst fünfteilige Bilderzyklus MONKEY BUSINESS entstand 2017 im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung im Staatlichen Textil- und Industriemuseum, Augsburg. Für die Ausstellung im Museum VILLA STUCK – welche im zweiten Obergeschoß der historischen Künstlervilla Franz von Stucks stattfindet – hat Passow die Serie um drei neue Arbeiten erweitert, die nun erstmals gezeigt werden. Das Werk BUDAPEST beschäftigt sich wiederum mit der europäischen Flüchtlingskrise und dem überall in Europa aufkeimenden Neonazismus – ein Thema, welches heute noch ebenso präsent wie vor drei Jahren ist. Die Tapisserien BREXIT und DUBLIN thematisieren die fortwährenden Austrittsbestrebungen Großbritanniens aus der Europäischen Union, wobei der Ausruf »The Future is Europe« auf den Mauern des historischen Hauptgebäudes der Brauerei GUINNESS als selbsterklärendes künstlerisches Fazit erscheint.

Die seltsamen Figuren, die MONKEY BUSINESS bevölkern, erzählen eine eindringliche Mythologie des 21. Jahrhunderts. In ihrer narrativen Anlage unterläuft Passow dabei die große Tradition der Tapisserie, indem sie nicht Helden und Herrscher lobt, sondern Kritik übt am heutigen Europa. Einst als Hort der Demokratie und Humanität gefeiert, ist es heute geprägt von einer militärischen Abwehrhaltung an seinen Grenzen, einem haltlosen Kapitalismus und einem immer schamloser auftretenden Neonazismus. Der Bilderzyklus MONKEY BUSINESS soll nicht nur als ein Aufzeigen von Phänomenen verstanden werden, sondern als Aufforderung an die Betrachter*innen, sich ein Bild von der Vergangenheit zu machen, um daraus eine bessere Zukunft gestalten zu können.

#BEATEPASSOWMVS