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Museum Villa Stuck Museum Villa Stuck

Aufgrund eines Corona-Falls im Ausstellungsteam muss der Ausstellungsbeginn auf den 27. Mai verschoben werden.

27. Mai – 12. September 2021

Lee Mingwei: Li, Geschenke und Rituale

Das Museum Villa Stuck präsentiert zum ersten Mal in München die Arbeiten des in Taiwan geborenen Künstlers Lee Mingwei (*1964), der in Paris und New York lebt und arbeitet. Zu sehen sind Installationen und Performances der letzten 30 Jahre, mit denen der Künstler Rituale des Schenkens und Beschenktwerdens in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stellt – zentral ist dabei die aktive Einbindung des Publikums. Lee Mingwei stellt die Kunst als immaterielles und transformatives Geschenk dar. Die Darbietung von Liedern, Gesprächen und kontemplativen Momenten regt die Besucher*innen zur Mitwirkung an. Nicht zuletzt eröffnet Lees künstlerische Praxis damit Möglichkeiten einer Verarbeitung der sozialen Folgen der Pandemie.

LEE MINGWEI: Li, Geschenke und Rituale feiert das Schenken und das Empfangen von Zeit und Hingabe. Einer der wichtigsten Einflüsse für Lee Mingwei ist das konfuzianische Prinzip Li (禮). Dieser Begriff umfasst Gedanken zu Riten, Ritualen, Geschenken und Anstandsregeln. Darauf aufbauend untersucht die Ausstellung Gesten der Gastfreundschaft und Rituale des Gebens und Nehmens.

Die Ausstellung wurde bereits 2020 im Gropius Bau in Berlin unter strengen Covid-19-Maßnahmen präsentiert. Die derzeitige Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen haben unsere Aufmerksamkeit für die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen derart geschärft, dass die Ausstellung einen besonderen Anlass bietet, um über den Wert von Geschenken und Ritualen als soziale Gesten nachzudenken.

Für drei Projekte startete die Villa Stuck im Vorfeld Aufrufe zur Beteiligung an Interessierte. Für Fabric of Memory suchte Lee nach textilen Erinnerungsstücken und für The Mending Project nach Personen, die vor Ort Kleidung flicken und dabei Gespräche mit den Besucher*innen führen. The Living Room lädt Münchner*innen dazu ein, ihre persönlichen Sammlungen im Rahmen der Ausstellung zu zeigen.

Das Zentrum der Ausstellung bilden die Besucher*innen selbst. Lee Mingweis partizipative Projekte eröffnen einen gemeinsamen Raum, in dem sich Begegnungen entfalten können. Nicht nur die soziale Interaktion als solche spielt eine große Rolle in dieser Ausstellung, sondern auch ihre Materialisierung in den Dingen, die symbolisch Emotionen und Erfahrungen tragen können. Die Besucher*innen sind eingeladen, sich an den einzelnen Werken zu beteiligen: emotional, intellektuell und physisch – denn manche Werke werden erst durch diese Beteiligung realisiert. Feinfühlig sammelt Lee persönliche Geschichten, erzählt seine eigenen und webt auf diese Weise ein soziales Netz der Begegnungen. Seine Kunst vollzieht sich empathisch als Angebot zum Gespräch oder als Spiegel – für die Auseinandersetzung mit sich selbst und als Vision für die Gesellschaft. Die Ausstellung berührt durch direkte Ansprache, Aufmerksamkeit, Kontemplation und Begegnungen. Alle sind eingeladen, Teil von Lees Universum der kollektiven Empathie zu sein.

Der ganzheitliche Anspruch des Künstlers an sein eigenes Schaffen, aber auch an die Interaktion mit den Besucher*innen der Ausstellung zeigt exemplarisch, wie relevant zeitgenössische Kunst im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Diskurses ist. Lee Mingweis Arbeiten stellen in ihrer Konsequenz eine der weltweit radikalsten Möglichkeiten dar, Kunst als gesellschaftspolitische Stellungnahme zu begreifen. Das verändert die Haltung des Publikums und der Institutionen zugleich und führt zur Frage, wie wir uns in Zukunft verhalten werden.

Lee Mingwei (geb. 1964 in Taiwan) lebt und arbeitet in Paris und New York. Lee ist ein international erfolgreicher Künstler mit Einzelausstellungen, u. a. im Metropolitan Museum of Art, im Museum of Modern Art, im Whitney Museum of American Art, im Museum of Fine Arts Boston, im Los Angeles County Museum of Art, im Taipei Fine Arts Museum und im Mori Art Museum in Tokio. Er war auf den Biennalen in Venedig, Lyon, Liverpool, Taipei, Sydney, im Whitney und auf der Asia Pacific Triennial vertreten. Seine europäische Überblicksausstellung Lee Mingwei: Li, Gifts and Rituals war 2020 im Gropius Bau in Berlin zu sehen und wird von Mai bis September 2021 im Museum Villa Stuck in München gezeigt.

Eine Ausstellung des Gropius Bau, Berliner Festspiele in Kooperation mit dem Museum Villa Stuck. Gefördert durch das Kulturministerium Taiwan
Kuratorin: Anne Marr
#leemingweimvs

 

Mit freundlicher Unterstützung von

Gefördert durch das Kulturministerium Taiwan